- KMS TV-Kompanie
- Fallschirmsprungausbildung
- Einsatzgruppe beim Überfall
- Handlungen von Luftsturmeinheiten
- Auszüge DV und Anleitungen
KMS / TV-Kompanie
Transport- und Versorgungskompanie – TV Kp
(Später KMS – Kp. Materielle Sicherstellung)
Im Truppenteil gab es eine Kompanie die sich nicht aus dreijährig Freiwilligen zusammensetzte, sondern aus Soldaten, die Ihre Wehrpflicht, also eineinhalb Jahre Ihren Dienst versahen. Später wurde in die schwere Kompanie auch noch Wehrdienstleistende eingezogen. Die TV-Kompanie stellte die gesamte Bewegung, Versorgung und Instandsetzung des Truppenteils sicher. Sie bestand aus:
einem Transportzug, der die materielle Sicherstellung durchführte, sowie die Stabsfahrzeuge bewegte, einem Mannschaftstransportzug, der die Einsatzgruppen durch LKW nebst Einachsgabelanhänger, in welchen die Fallschirme, ein Kampfsatz der Einsatzmunition, Sprengmittel und Verpflegung beinhaltete, transportierte, dem Versorgungszug, also das gesamte Küchengerödel nebst Köchen, „Gulaschkanonen“, Wasserbehältern und Verpflegung in sich vereinnahmte der Wartungs- und Instandsetzungsgruppe (WIG), zu deren Aufgaben die Wartung der Ausbildungsanlagen gehörte, die Waffeninstandsetzungsgruppe sowie dem Med. Punkt.
Da Wehrdienstleistende in der NVA bis zum 26 Lebensjahr gezogen wurden, ergab es sich oft, dass die Angehörigen der TV-Kompanie gestandene Männer waren, teilweise mit Familie und manchmal auch schon mit einem gewissen Bauchansatz. In den meisten Fällen wurden diese Männer aus der näheren Umgegend eingezogen, waren also im Gegensatz zu den Jägern der Kompanien, Einheimische. Es waren Maschinisten, Traktoristen und Handwerksburschen die mit beiden Beinen im Leben standen. Was diese Männer auf Übungen leisteten wurde oft von den Fallschirmjägern unterschätzt aber ohne sie wäre recht wenig gelaufen. Äußerlich konnten die Soldaten der TV-Kompanie von den Fallschirmjägern der Fallschirmjägerkompanien nur dadurch unterschieden werden, dass sie keinen Winkel für einen dreijährigen Dienst trugen. Das Sprungabzeichen trugen sie natürlich auch nicht.
Oft mussten diese Männer, während der normalen Ausbildung oder bei MTA´s, zur Gegnerdarstellung herhalten. Das waren sie aber schon gewöhnt. Auf sie und ihre Technik wurde geschossen, ihre Autos wurden durch Knallkörper in die „Luft gesprengt“, sie wurden beim Hinterhalt mit Einbringen von Gefangenen, aus dem Auto gezerrt na und so weiter und so fort. Sie ertrugen das alles mit stoischer Ruhe.
In der Regel waren sie nicht die „super Sportler“. Aber in einer Disziplin waren die Angehörigen dieser Kompanie fast unschlagbar. Mit schöner Regelmäßigkeit lieferten sie sich mit der Nachrichtenkompanie das Endspiel bei den Meisterschaften im Fußball. Es waren wirklich immer viele aktive Fußballer, unter ihnen die in der „20er Liga“ für „Traktor rote Rübe“ oder „Kombine Pichelsdorf“ spielten und damit weit über dem fußballerischen Niveau der Jägerkompanien standen. Außerdem, wo diese Männer standen, da standen sie. Diese Verteidigung zu durchbrechen, war den sehnigen, durchtrainierten Fallschirmjägern nur schwer möglich.
Beim Frühsport ging der GOvD (Gehilfe des Offiziers vom Dienst) oft zur Kontrolle in den Kompaniebereich der TV-Kompanie. Es war immer eine Freude, die Entschuldigungen zu hören, die diese Soldaten vorbrachten, warum sie nicht am Frühsport teilnehmen brauchten. Ich glaube, dass es da einen kompanieinternen Wettstreit gab, wer die dreisteste Ausrede hatte.
Wenn die Jäger nach Übungen oder MTA´s in den Kompaniebereich wegtraten, Waffen reinigten, die Einsatzbereitschaft herstellten und in den Betten verschwanden, mussten sich diese Männer um ihre Technik kümmern. Dabei half ihnen kein Jäger, dafür waren sie allein verantwortlich. Also morgens die Ersten und abends die Letzten. Das ist das Los von Sicherstellungseinheiten.
Ich hab dort viele gute Soldaten kennen gelernt, die mit Engagement und Hingabe ihren Wehrdienst geleistet haben. Deshalb wollte ich auch für diese Soldaten mal eine Lanze brechen.
TUS
Fallschirmsprungausbildung
Fallschirmsprungausbildung und Fallschirmtechnik – der NVA ab 1977
Jeder Fallschirmjäger der NVA musste vor seiner aktiven Zeit im FJB (Fallschirmjägerbataillon) oder LStR (im Jahre 1986 wurde das FJB aufgestockt und in Luftsturmregiment umbenannt) eine Laufbahnausbildung für Fallschirmjäger in der GST (Gesellschaft für Sport und Technik) absolviert haben.
Hier wurde der 16-, 17-, 18-jährige, junge Mann auf seinen Dienst im FJB / LStR vorbereitet. Diese Vorbereitung umfasste eine allgemein vormilitärische Ausbildung im Schießen, Funken (hier nur Sprechfunk), physischer Ausbildung, Militärtopographie, Kfz-Ausbildung und das Überwinden von Hindernissen. Das Kernstück der Ausbildung war jedoch das Fallschirmspringen mit militärischer Rundkappentechnik. Hier war es das Ziel, dass der zukünftige Fallschirmjäger 12 Fallschirmsprünge zu absolvieren hatte. Dabei wurde ab dem zweiten Sprung ein konkreter Sprungauftrag erteilt. Hier, beim zweiten Sprung war es bereits das Markieren der manuellen Öffnung. Der dritte Sprung hatte zum Inhalt, das Rettungsgerät zusätzlich zum Hauptgerät zu öffnen. Ab dem vierten Sprung wurde das Springen in der Gruppe trainiert. Viele zukünftige Soldaten erreichten aber bedeutend höhere Sprungzahlen und kamen schon als Fallschirmsprunglizenzinhaber zur Truppe.
So konnte im Truppenteil auf bereits bestehende Kenntnisse aufgebaut werden.
Das erste Dienstjahr hatte ein eigenes Fallschirmsprungprogramm zu absolvieren. Dabei war es aber wichtig, dass bereits das erste Dienstjahr in die Lage versetzt wurde, nach Beendigung des Fallschirmsprungprogrammes alle notwendigen militärischen Fallschirmabsprünge durchzuführen.
Es sah für das 1. Dienstjahr wie folgt aus:
Art Höhe Verzögerung LFZ Bemerkung 1. Einweisungssprung 600 m mit 3 Sek. stab. Fall AN-2 ohne Ausrüstung
2. Üb-Gefechtssprung 600 m mit 3 Sek. stab. Fall AN-2 mit teilw. Gefechtsausrüstg.
3. Üb-Sprung 600 m mit 3 Sek. stab. Fall AN-2 zusätzl. öffnen Rettungsgerät
4. Üb-Gefechtssprung 600 m mit 5 Sek. stab. Fall AN-2 teilw. Gefechtsausrüstg.
5. Üb-Gefechtssprung 500 m mit 3 Sek. stab. Fall AN-2 voller Gefechtsausrüstg.
6. Üb-Sprung 600 m mit 5 Sek. stab. Fall Mi-8T ohne Ausrüstung
7. Üb-Sprung 600 m mit 3 Sek. stab. Fall Mi-8T bei Nacht
8. Üb-Sprung 600 m mit 5 Sek. stab. Fall AN-26 ohne Gefechtsausrüstung
9. Üb-Gefechtssprung 600 m mit 5 Sek. stab. Fall AN-26 teilw. Gefechtsausrüstg.
10. Üb-Sprung 500 m Sofortöffnung Mi-8T Wassersprung
Das zweite und dritte Dienstjahr absolvierten das selbe Fallschirmsprungprogramm.
Dies sah so aus:
Art Höhe Verzögerung LFZ Bemerkung 1. Üb-Gefechtssprung 500 m mit 3 Sek. stab. Fall AN-2 teilw. Gefechtsausrüstg.
2. Üb-Gefechtssprung 400 m mit 3 Sek. stab. Fall AN-2 mit voller Gefechtsausrüstg.
3. Üb-Gefechtssprung 600 m mit 5 Sek. stab. Fall AN-2 mit voller Gefechtsausrüstg.
4. Üb-Gefechtssprung 1100 m mit 10 Sek. stab. Fall AN-2 mit voller Gefechtsausrüstg.
5. Üb-Gefechtssprung 500 m mit 3 Sek. stab. Fall Mi-8T mit angelegter pers. Schutzausrüstung
6. Üb-Gefechtssprung 500 m mit 3 Sek. stab. Fall Mi-8T bei Nacht mit voller GefA.
7. Übungssprung 1100 m mit 10 Sek. stab. Fall Mi-8T bei Nacht
8. Übungssprung 300 m mit 3 Sek. stab. Fall AN-2
9. Üb-Gefechtssprung 300 m mit 3 Sek. stab. Fall AN-26 teilw. Gef.-ausrüstg.
10. Üb-Gefechtssprung 400 m mit 3 Sek. stab. Fall AN-28 mit voller Gef.-ausrüstg.
Wenn die Zeit, das Flugbenzin und andere Komponenten es zuließen, wurden weitere Sprünge innerhalb des Fallschirmsprunglagers absolviert. Weiterhin wurde während taktischer Übungen oder einiger Ausbildungskomplexe Fallschirmabsprünge durchgeführt. Gesprungen wurde in den Fallschirmjägerkompanien mit dem Fallschirmtyp RS 9/2 A. Als Rettungsgerät war das Be-8 für alle Fallschirmspringer das gleiche Modell.
Der RS 9/2 A als auch das Rettungsgerät waren reine DDR Produkte, die in dieser Zeit und auch heute noch absolute Weltspitze für Rundkappentechnik darstellen. Sie wurden im Fallschirmwerk Seifhennersdorf hergestellt. Dieser Schirmtyp ermöglichte es mit automatischer Öffnung (also sofortige Zwangsöffnung) als auch im stabilisierten Fall zu springen. Er besitzt auch heute noch, hervorragende taktisch-technische Parameter und kann so universell für Luftlandeeinheiten, als auch zum Einsatz von Spezialeinheiten zum Einsatz kommen.
Der Schirm gewährleistet:
- optimale Sicherheit gegen unbeabsichtigtes Öffnen,
- hohe Sink-, Richtungs- und Landestabilität,
- Montage eines Fallschirmöffnungsautomaten (KAP-3),
- das Anbringen eines Rettungsfallschirmes,
- schnelles Trennen von der Fallschirmkappe nach der Landung,
- schnelles Befreien vom Gurtzeug,
- das Auswechseln aller Baugruppen und
- das Mitführen von Bewaffnung und Ausrüstung bis zu einem Gesamtgewicht von 130 kg.
Darüber hinausbesitzt der Schirm folgende, hervor zuhebenden Eigenschaften:
- gleiche Packmethode für alle Einsatzbedingungen
- ein zwangsgerichtetes Öffnungssystem mit hoher Funktionssicherheit
- sofortige Stabilisierung des Springers nach verlassen des Fluggerätes
- wahlweise Einstellung der Flugeigenschaften am geöffneten Schirm
- gesteuerter Vorschub
- neutrales Sinken
- gesteuerter Rückschub (das bedeutet der Schirm kann rückwärtsfahren)
- Vorwärtslandungen ohne Eindrehen am Gurtzeug bei 14 m/s Bodenwind
- Anpassen des Gurtzeuges im angelegten Zustand
Technische Daten RS-9/2 A
Kappenfläche 66 m²
Fläche des Stabilisators 0,5 m²
Anzahl der Bahnen 26
Reißfestigkeit der Fangleinen 180 kp
Vortriebsgeschwindigkeit bei eingehängtem Vorschub 3 m/s
in Neutralstellung 0 m/s
zulässige Belastung Minimum 50 kp… Maximum 130 kp
Sinkgeschwindigkeit bei maximaler Belastung 4,8 m/s
Zeit für eine Umdrehung 360° 7 s
Einsatzgeschwindigkeit des Fluggerätes 100..400 km/h
zulässige Sprungzahl 250
Betriebsdauer 8 Jahre
Lagerzeit im gepackten Zustand 90 Tage
Überbelastung während der Entfaltung 5 … 6 g
Das Novum bei diesen Schirmtypen der RS-Serie (also der RS 4/1, – 4/3 und -4/5) waren alle dafür vorgesehen, dass die Schirme im stabilisierten Fall gesprungen werden konnten. Das bedeutet, dass ein kleiner Hilfsfallschirm – eben der Stabilisator – der eine Kappenfläche von 0,5 m² besaß, nach dem Absprung sich öffnete, der Rest des Hauptschirmes, also die Hauptkappe mit den Fangleinen, im Verpackungssack verblieb. Dieser kleine Hilfsschirm hielt den Fallschirmjäger im Fallen aufrecht und verhinderte unkontrollierte Überschläge. So konnten auch ein im Freifall ungeübte Soldaten mit seiner gesamten Ausrüstung, große Strecken im stabilisierten Fall, der fast genauso schnell war wie der freie Fall, zurücklegen und erst in einer bestimmten Höhe oder nach einer vorgegebenen Fallzeit den Hauptschirm öffnen. Bei kurzen Fallzeiten, also bei drei Sekunden stabilisierten Fall, wurde der Springer nach seinem Abgang durch den Stabilisator, in die günstigste Öffnungsposition gezogen und der Öffnungsvorgang der Hauptkappe konnte optimal erfolgen.
Jeder Fallschirmspringer hatte am RS 9/2 A seinen Öffnungsautomaten, den KAP 3 P oder das modernere Gerät, den PPK – U, der im Falle, dass der Fallschirmspringer den Schirm nicht selber öffnen kann, diesen zwangsweise, in einer vorher eingestellten Öffnungshöhe oder nach Ablauf einer bestimmten Zeit, öffnet.
Dieser Automat öffnet das Doppelkegelschloß, welches manuell durch den Springer durch ein Kabel mit Griff geöffnet werden kann oder aber eben durch den Öffnungsautomaten.
Als Öffnungszeit kann eingestellt werden, 2…5 s nach Absprung des Springers vom Fluggerät. Entsprechend der Höhe kann der KAP 3 von 500 bis 4000 m, der PPK-U von 300 bis 8000 m eingestellt werden. (Über Meeresspiegel entsprechend Standartatmosphäre). Der Automat kann eingesetzt werden von -60° bis + 60°, also praktisch in allen auf der Welt vorhandenen Klimazonen.
Das Rettungsgerät BE – 8 Serie 2 ist ein Personenfallschirm und wird als Rettungsfallschirm unter allen Bedingungen genutzt. Es ist ein Brustfallschirm.
Das BE – 8 bietet:
- Sicherheit gegen unbeabsichtigtes Öffnen,
- kann mit dem Gurtzeug des Sprungfallschirmes verbunden werden,
- Gewährleistet hohe Sink-, Richtungs – und Landestabilität
- Besitzt eine gute Steuerfähigkeit im entfalteten Zustand und
- lässt sich mit der linken oder der rechten Hand öffnen.
Techn. Parameter
Kappenfläche 41,5 m²
Vorschubgeschwindigkeit 1 bis 2 m/s
Sinkgeschwindigkeit bei 50 kp Belastung 4,6 m/s
100 kp Belastung 6,5 m/s
130 kp Belastung 7,2 m/s
Zeit für Kappenumdrehung 360 ° 12 s
Mindestabsprunghöhe bei horizontalem Flug 60 m
Mindestöffnungshöhe im vertikalen Fall 125 m
Geschwindigkeit des Fluggerätes bei sofortiger Öffnung 100 … 250 km/h
bei 2 Sek. Verzögerung 251 … 330 km/h
zulässige Belastung 50 … 130 kp
zulässige Sprungzahl 6 Rettungssprünge
Betriebsdauer 8 Jahre
Lagerung im gepackten Zustand max. 90 Tage
Der Schirm besteht aus 24 Bahnen zu je 5 Feldern aus PSA Gewebe. Am Rettungsgerät werden das Kappmesser, als auch der Höhenmesser mit Stoppuhr befestigt. Jeder Fallschirmjäger oder springende Soldat der NVA hat seinen Hauptschirm und sein Rettungsgerät selber gepackt. Alle Packvorgänge wurden von ausgebildeten Packern abgenommen. Dies waren in der Regel die Unteroffiziere / Gruppenführer.
Durch ausgewählte Soldaten des FJB / LStR wurde ab Anfang der 80-er Jahre mit Gleitertechnik gesprungen, die ebenfalls die Volkswirtschaft der DDR seinen Soldaten zur Verfügung stellen konnte, als in NATO-Staaten an solche Schirme für den militärischen Einsatz noch gar nicht gedacht wurde. Hier sprangen die Angehörigen des Aufklärungszuges und eine ganze Reihe von Berufssoldaten mit diesem Hochleistungsfallschirmsystem. Das war der RL 10/2 st und später der RL 12/2 st („st“ steht für Stabilisierung). Dieses Schirmsystem konnte also auch aus hohen Höhen gesprungen werden und erst kurz über dem Boden geöffnet werden, wenn es denn notwendig war. Vom äußeren sah dieser Schirm im gepackten Zustand dem RS 9/2 A täuschend ähnlich. Dieses Fallschirmsystem wird ebenfalls mit dem Rettungsgerät Be-8 Serie 2 kombiniert. Auch der Öffnungsautomat kommt an diesem Fallschirmsystem zum Einsatz. Durch diesen Gleiter konnten die Fallschirmjäger bereits Anfang der 80-er Jahre unentdeckt, weit in das rückwärtige Gebiet des Gegners eindringen.
Der RL 12/2
Der RL 12/2 ist ein Rechteck-Staukammern-Hochleistungsgleitfallschirm, der höchsten Ansprüchen genügt. Er unterscheidet sich im Aufbau und aerodynamischen Eigenschaften grundlegend von konventionellen Rundkappenfallschirmen. Er zeichnet sich besonders durch seine hohe Richtungs- und Landestabilität, sowie durch seine sehr guten Steuer – und Bremseigenschaften, aus.
Der RL 12/2 st ist ein Rückenschirm und wird manuelle oder bei Notwendigkeit durch einen Automaten geöffnet. Er gewährleistet:
hohe Sicherheit gegen ein unbeabsichtigtes Öffnen,
die Steuerung der entfalteten Kappe über Steuerknebel,
die Abbremsung der Eigengeschwindigkeit auf 0 km/h,
große Sink-, Richtungs- und Landestabilität,
das Abtrennen der Fallschirmkappe in der Luft als auch am Boden,
die Montage des Kap-3 oder PPK.- U,
das Anbringen einen Brustrettungsfallschirmes und
das Auswechseln aller Baugruppen.
Taktisch – techn. Daten:
Kappenbreite 5,9 m
Kappentiefe bei gefüllten Staukammern 3,4 m
Fläche der Oberkappe 22 m²
Staukammern 14
Anzahl der Fangleinen 16
Anzahl der Zweigleinen 16
Anzahl der Zweignebenleinen 8
Steuerleinen mit je 4 Nebenleinen 2
Nutzlast 50 … 100 kp
Einsatzgeschwindigkeit 100 … 240 km/h
Mindestöffnungshöhe 300 m
Vorwärtsgeschwindigkeit bei max. Nutzlast 9 – 10 m/s
max. Gleitzahl ca. 2,8 – 3,0
Sinkgeschwindigkeit in Bodennähe 3 -3,5 m/s
Zeit für eine volle Drehung 360 ° 2-3 s
Lagerzeit im gepackten zustand 30 Tage
Betriebsdauer 8 Jahre
TUS
EG beim Überfall
auf ein Kernmittellager
Wie man erkennen kann, könnte ein Luftangriff sehr verlustreich sein, da drei Flugabwehrraketenbatterien um das Lager herum stehen. So wurde eine Einsatzgruppe – Zug auf dieses Objekt angesetzt.
Die EG drang gedeckt bei Nacht, durch Fallschirmabsprung, etwa 20 km vom Zielobjekt entfernt in das rückwärtige Gebiet (rGG) des Gegners ein, bezog einen Sammelpunkt nach dem Eindringen, versteckte die FS-Ausrüstung und meldete per Funk, dass die Landung unentdeckt geblieben ist und die EG jetzt mit den Handlungen in Richtung Überfallobjekt beginnen wird.
Der Marsch zum Warteplatz wird gedeckt durchgeführt. Die Gefechtsordnung der EG auf dem Marsch gliedert sich in Sicherungstrupp, Kern und Deckungstrupp.
EG beim Überfall (Skizze)An markanten Stellen, etwa alle 2 – 3 km wird ein Sammelpunkt benannt, der durch ein unauffälliges Zeichen markiert wird (z.B. einige Steine in eine bestimmte Position bringen, einen Ast so umknicken, wie er normaler Weise kaum wachsen wird und ähnliches). Dieser Sammelpunkt ist anzulaufen, wenn die EG durch gegnerische Kräfte auf dem Marsch entdeckt wird. Dazu würde sich die EG sternförmig trennen, um den Gegner keine Anhaltspunkte zu bieten und eine Verfolgung zu erschweren.
Der erste Fallschirmjäger der dann den letzten, festgelegten Sammelpunkt erreicht, klärt diesen auf und ist dieser feindfrei, lotst er über das vorher festgelegte Zeichen die nachfolgenden Fallschirmjäger in den Sammelplatz und weist Ihnen schnell und geräuschlos Sicherungssektoren zu, bis ein Vorgesetzter im Sammelpunkt eintrifft und dort die Führung übernimmt. Nach dem Sammeln der EG, setzt diese ihren Marsch erneut auf anderen Wegen zum Objekt fort oder weicht Jagdkommandos aus und handelt entsprechend der Lage. Es ist durchaus denkbar, dass die EG sehr weit weg marschiert und erst nach dem Abschütteln der Verfolger, sich erneut an das Objekt, wegen welchem die EG im rGG des Gegners handelt, annähert.
Sollte der Sammelpunkt jedoch vom Gegner besetzt sein, wird das Zeichen durch den ersten FJ, der die Besetzung durch den Gegner feststellt, vernichtet (Steine durcheinander bringen oder Ast wieder gerade biegen) und begibt sich sofort zum vorher festgelegten Sammelpunkt. Dort wird dann so gehandelt, wie oben geschildert. Alle nachfolgenden FJ erkennen das zerstörte Zeichen und laufen diesen SaP nicht mehr an sondern begeben sich auch sofort zum vorherigen SaP.
Mit erreichen des Geländes des Warteplatzes (WaP), wird dieser leicht pioniertechnisch ausgebaut. Von hier aus organisiert der EGF (Einsatzgruppenführer) die Aufklärung des Überfallobjektes. Dazu teilt er mehrere Späherpaare ein. Ich ging seinerzeit immer selber mit einem Soldaten zur Aufklärung, bildete also ein Späherpaar. Der Stellvertretende EGF verblieb im WaP und organisierte den weiteren piotechn. Ausbau. Mindestens zwei km abgesetzt vom WaP nahm der Funker, gesichert durch einen Fallschirmjäger Kontakt mit dem vorgesetzten Stab auf und meldete den bisherigen Verlauf der Handlungen an Hand einer Phrasentabelle. So war ein Funkspruch von einer halben DIN A4 Seite, nach der Kontaktaufnahme, nur wenige Sekunden lang und mit dem Schnellgeber nur Bruchteile einer Sekunde.
Die Aufklärung sollte durch Beobachten geschehen. In unserer Variante, ein stationäres Lager war schnell zu finden und nicht erst lange zu suchen. Dadurch konnte sich die Zeit der Aufklärung auf 4 – 6 Stunden verkürzen.
Nach dem im WaP eine Art Sandkasten vom Überfallobjekt und den aufgeklärten Sicherungsmaßnahmen des Gegners erstellt worden ist, entsprechend der Angaben aller Späherpaare, gab der EGF seinen Gefechtsbefehl an die Fallschirmjägergruppe. Hierbei wurde als erstes eine takt.- topographische Orientierung gegeben. Der erkannte Gegner wurde genauestens bezeichnet und die Art der Vernichtung oder Niederhaltung. Jeder FJ der EG bekam seine Aufgabe, die durchaus auch in Paaren oder kleinen Trupps zu erfüllen war. Trupps des Überfalltrupps wurden eingewiesen in die Handlungen im Überfallobjekt. Da hier der Überfall auf ein Kernmittellager dargestellt ist, muss man davon ausgehen, dass bis zu einer Grenadierkompanie oder gar mehr zur Sicherung des Lagers eingesetzt ist, welches vermutlich im Drittelsystem die Sicherung des Lagers durchführt. Ein Drittel Sicherung, ein Drittel Bereitschaft, ein Drittel Ruhe. Es wurden Signale und Führungszeichen festgelegt, wenn diese nicht schon bekannt waren.
Durch die Sicherungstrupps werden an den beiden Zufahrtswegen zum Lager, gemischte Minenfelder verlegt was etwa 1 Stunde dauern wird. Die Minenfelder werden mit X-Zeit scharf gemacht. Gleichzeitig beginnt der Sicherungstrupp1, erkannten Gegner in Stellungen, zu bekämpfen, wenn der Sicherungstrupp Gefechtslärm hört.. Bewegliche Gegner werden bekämpft mit Ihrem Auftauchen.
Der Sicherungstrupp 2 vermint die, parallel zum Weg verlaufenden, Eisenbahnlinie und zündet diese Minen spätestens vor dem Absetzen zum Sammelpunkt nach Beendigung des Überfalls.
Zum Überfall gibt es zwei Varianten die vor Ort kurzfristig entschieden werden.
Variante 1
Der Überfalltrupp dringt gedeckt in das Lager ein. Durch fünf Trupps mit je drei FJ werden die Lager gedeckt geöffnet und die darin befindlichen Kernmittel durch Anlegen von Sprengladungen mit Zeitverzögerung und elektronischem Fernzünder, zur Zerstörung vorbereitet. Zwei FJ legen die Ladungen an, ein FJ sichert.
Bei Möglichkeit wird gedeckt abgesetzt vom Überfallobjekt. Das Zeichen dafür gibt es über Funk .
Zusätzlich steht ein Trupp (4 FJ) bereit, das Wachlokal der Sicherungskräfte zu stürmen und die darin befindlichen Gegner durch R4 Tränengas kampfunfähig zu machen. Bei Notwendigkeit auch durch Feuer zu vernichten. Gleichzeitig stehen zwei FJ bereit, die Funk- und Telefoneinrichtung zu vernichten, wenn die eingedrungenen FJ entdeckt werden sollten und angeschossen werden.
Das Absetzen geschieht im Falle des nicht gedeckten Absetzens vom Überfallobjekt auf ein Zeichen (Trillerpfeife, Stern grün).
Variante 2
Kommt zur Anwendung, wenn ein gedecktes Eindringen aus welchen Gründen auch immer nicht möglich ist oder wenn die FJ angeschossen werden.
Der Überfalltrupp beginnt das Gefecht mit einem Zusammengefassten Feuer auf die Baracke der Sicherungskräfte. Gleichzeitig bekämpfen zwei RPG-Schützen die Funk- und Telefoneinrichtung des Lagers. (zwei weitere RPG-Schützen sind im SiTr. 1 und 2.)
Ein Trupp (6 FJ – weit auseinander gezogen um das gesamte Lager mit Feuer belegen zu können) aus dem Überfalltrupp, verbleibt in der Sturmausgangstellung und bekämpft eventuell weiter auftauchende Gegner.
Die anderen 15 FJ stürmen und dringen in die Lager der Kernmittel ein. Legen die Ladungen mit Zeitzünder & Funk Zünder und setzen sich ab. Der Deckungstrupp aus dem Überfalltrupp wird vom stellv. EGF geführt und verlässt als letztes den Ort des Überfall. Der Stellvertretende EGF mit Stabsgefr. …. zündet über Funk die Ladungen, wenn diese noch nicht durch die Zeitverzögerung zur Explosion gekommen sind. Diese Explosion ist auch das Zeichen für die 3 Sicherungstrupps, dass sie sich nach weiteren 5 Minuten vom Gegner lösen sollen oder sich gedeckt absetzen sollen. Sicherungstrupp 2 bringt das angelegte Minenfeld zu Explosion.
Die Trupps erreichen x + 6:00 den SaP, vereinigen sich dort und beziehen den PdW. Die gesamte EG beginnt den Marsch zum Überfallobjekt aus dem WaP heraus 2 ½ Stunden vor X-Zeit und trennt sich zum Beziehen der befohlenen Stellungen auf Befehl des EGF.
Handlungen von Luftsturmeinheiten
Luftlandung
Auszug aus der Dienstvorschrift DV 325/0/008 Gefechtseinsatz der Luftsturmeinheiten Zug und Gruppe
Vorbereitung auf den Gefechtseinsatz
51.
(1) Das Absetzen (Landen) des Zuges (der Gruppe) im Rücken des Gegners erfolgt mit einem oder mehreren Flugzeugen/Hubschraubern auf dem Absetzplatz (Landeplatz)
(2) Während des Fluges haben die Armeeangehörigen die Signale und Kommandos des Verantwortlichen im Flugzeug/Hubschrauber genau auszuführen. Ihren Platz dürfen Sie ohne Erlaubnis nicht verlassen.
(3) Bei einer nach einem Kernwaffenschlag vorgesehenen Luftlandung müssen die Armeeangehörigen vor dem Einnehmen der Plätze im Flugzeug/Hubschrauber die Schutzanzüge anlegen und – während des Fluges bei Annäherung an den Absetzplatz/Landeplatz – auf Kommando die Schutzhandschuhe anziehen sowie die Schutzmasken aufsetzen.
52.
(1) Auf das Signal (Kommando): „Fertigmachen!“ haben die Fallschirmjäger von ihren Plätzen aufzustehen und sich auf den Absprung vorzubereiten. Auf das Signal (Kommando): „Sprung!“ müssen sie ohne Verzögerung in der festgelegten Ordnung aus dem Flugzeug springen. Während des Sinkens an den Fallschirmen haben sie die persönliche Waffe zur Feuerführung vorzubereiten, aufmerksam das Gelände im Absetzraum zu beobachten, wenn notwendig, das Feuer auf den Gegner zu eröffnen und sich auf die Landung vorzubereiten.
(2) Nach der Landung müssen sich die Fallschirmjäger von der Fallschirmausrüstung befreien, die Feuerbereitschaft ihrer Waffen herstellen, sich im Gelände und über den Kurs der abfliegenden Flugzeuge/Hubschrauber orientieren, die Marschrichtung bestimmen und schnell zur Ausgangsstellung für den Angriff (zum Sammelpunkt) vorgehen.
(3) Die Fahrer und Richtlenkschützen (Richtschützen) sowie die Bedienungen der Feuermittel haben die Gefechtsbereitschaft der Kampftechnik und Bewaffnung herzustellen und mit maximaler Geschwindigkeit in die Ausgangsstellung für den Angriff (zum Sammelpunkt) zu fahren.
53.
(1) Die Ausgangsstellung (der Sammelpunkt) für den Angriff des Zuges (der Gruppe) wird in der Regel in der Richtung zum einzunehmenden Objekt hinter der Absetzplatzgrenze (Landeplatzgrenze) oder in ihrer Nähe festgelegt und soll Deckung vor der Beobachtung des Gegners bieten. Die Orientierung der Armeeangehörigen wird durch Funk-, Signal- und andere Mittel gewährleistet oder hat anhand von markanten Geländepunkten zu erfolgen.
(2) In der Ausgangsstellung (am Sammelpunkt) für den Angriff hat der Zugführer (Gruppenführer) die Vollzähligkeit der Armeeangehörigen, der Kampftechnik, Bewaffnung und Ausrüstung sowie deren Zustand zu überprüfen, die Gefechtsaufgabe der Unterstellten zu präzisieren, die Angehörigen des Zuges (der Gruppe) auf die Gefechtsfahrzeuge aufsitzen zu lassen und dem Kompaniechef (Zugführer) den Verlauf der Luftlandung und die Bereitschaft zur Erfüllung der gestellten Aufgabe zu melden.
54.
Beim Absetzen (Landen) des Zuges (der Gruppe) oder einzelner Fallschirmjäger außerhalb des Absetzplatzes (Landeplatzes) haben sich die Gruppen zu vereinigen, den Gegner an den Absetzstellen (Landestellen) zu vernichten und im weiteren auf Befehl des vorgesetzten Kommandeurs zu handeln. Unter allen Bedingungen ist danach zu streben, zum Raum der Kampfhandlungen der eigenen Einheit vorzustoßen und die Verbindung zum Kompaniechef (Zugführer) herzustellen.
OMG/A im Angriff
Mögliche Luftsturmhandlungen eines LStB (ohne LStK) in der Vorwärtsbewegung
Die Idee ist folgende:
Nach dem die Armee den Durchbruch durch die Bataillone der ersten Staffel des sich verteidigenden Gegners vollendet hat, wird die OMG/A eingeführt (EFAs OMG/A – Einführungsabschnitt der Operativen Manövergruppe der Armee). Die OMG/A besteht aus einer verstärkten Panzerdivision.
Eine NVA Panzerdivision besteht aus
- drei Panzerregimentern (je Regiment 93 Panzer)
- einem MSR mit 40 Panzern und 93 SPz, 18 Rohre 122 mm SFL Artillerie
- einem Artillerieregiment mit 36 Rohren 122 mm SFL und 18 Rohren 152 mm
- einem Flaraketenregiment System „Krug“
- dem Aufklärungsbataillon
- dem Bataillon chemische Abwehr
- der Geschosswerferabteilung
- der Raketenabteilung mit taktischen Raketen (Luna oder Totschka)
- dem Pionierbataillon
- dem Sanitätsbataillon
um nur die Wichtigsten zu benennen. Bat. Materielle Sicherstellung, Stabskompanie und die Führungsbatterien des Chef Ari. Erwähne ich hier mal nicht. Verstärkt wird eine OMG vor allem mit einer oder zwei zusätzlichen Abteilungen zur Sicherstellung der Bewegung (ASB), mit einer zusätzlichen Sperrenräumabteilung (SRA) und auf Anforderung unterstützt der vorgesetzte Kommandeur durch Schläge der Armeefliegerkräfte, durch Schießen von Feuern der Armeeartilleriegruppe als auch durch Einsatz von einem Panzerabwehrhubschrauberschwarm.
Mit Einführung der OMG/A wird das LStB (ohne LStK) außerhalb des Handlungsabschnittes der OMG/A abgesetzt um das PAB (Panzerartilleriebataillon) welches auch zum Verschuss kleiner Ladungen von Kernsprengköpfen in der Lage ist, anzugreifen. Dabei besonders deren Führungs- und Aufklärungsmittel zu zerstören und bei Möglichkeit auch die beiden Geschütze zu vernichten, die zum Verschuss von Kernladungen, abgesetzt von den anderen Batterien des PAB, in Feuerstellung stehen. Wenn es möglich ist natürlich auch andere Geschütze des PAB zu vernichten.
Im Anschluss bewegt sich das LStB (ohne LStK) in den Handlungsstreifen der OMG/A unter Vernichtung aller relevanten Ziele um sich mit der LStK zu vereinen. Die LStK wird ebenfalls mit Einführung der OMG/A ins Gefecht angelandet und vernichtet Teile eines RAB (Raketenartilleriebataillons) nämlich dort ebenfalls die Aufklärungs- und Führungsmittel als auch die Rakete in Startstellung. Die Rakete steht dort allerdings nicht ewig so das es durchaus denkbar ist, dass die Startstellung noch nicht bezogen worden ist. Unter Zurücklassung geringer Kräfte zur Überwachung der vermutlichen Startstellung begeben sich die Hauptkräfte der LStK zum Sammelraum und vereinigen sich mit dem LStB. Es wird ein Hinterhalt vorbereitet auf Teile des marschierenden RAB (Raketenartilleriebataillons) und diese vernichtet. Im Anschluss daran bewegt sich das LStB zum endraum der OMG/A. Auf diesem Wege werden noch der Divisionsgefechtsstand der sich verteidigenden PGS (Panzergrenadierdivison) sowie ein Mittel der Eloka (Elektronische Kampfführung – bei uns hieß das FEK – Funkelektronischer Kampf) vernichtet. Somit hat das LStB im besten Falle 5, eher aber nur 4 wichtige Ziele vernichtet oder kampfunfähig gemacht und eine Entfernung von 30 bis 40 km zurückgelegt. In der gleichen Zeit hat die OMG/A etwa 60 bis 80 km kämpfend bewältigt.
TUS
LStZ in der Verteidigung
Auszug aus der Dienstvorschrift DV 325/0/008 Gefechtseinsatz der Luftsturmeinheiten Zug und Gruppe
Allgemeines
(1) Die Verteidigung ist eine der Gefechtsarten. Sie hat das Ziel, den Angriff (Schlag) überlegener Kräfte des Gegners zu vereiteln oder abzuwehren und ihm hohe Verluste zuzufügen, wichtige Räume (Abschnitte, Objekte) zu halten und dadurch günstige Bedingungen für die Erfüllung der gestellten Aufgaben zu schaffen.
(2) Die Verteidigung kann frühzeitig vorbereitet oder im Verlauf des Gefechts ohne Berührung mit dem Gegner sowie bei unmittelbarer Berührung mit ihm organisiert werden.
(1) Die Verteidigung muss standhaft und aktiv sein und Schläge des Gegners durch den Einsatz aller Waffen abwehren können. Standhaftigkeit und Aktivität in der Verteidigung werden erreicht durch:
a) Ausdauer, Widerstandsfähigkeit, Hartnäckigkeit und hohe Moral der Armeeangehörigen,
b) einen zweckmäßigen Aufbau der Verteidigung und das mit den Sperren abgestimmte Feuersystem, besonders zur Panzerabwehr,
c) das geschickte Ausnutzen der Geländebedingungen, den Pionierausbau des Geländes und die sorgfältige Tarnung,
d) hartnäckige und entschlossenen Handlungen der Einheiten beim Halten der bezogenen Stellungen,
e) schnelle Vernichtung des in die Verteidigung eingebrochenen Gegners,
f) exaktes und ununterbrochenes Zusammenwirken,
g) Maßnahmen zum Schutz vor Brandwaffen und Vorbereitung der Armeeangehörigen auf langandauernde Gefechte in befallenem Gelände,
h) die allseitige Sicherstellung des Gefechts,
i) eine straffe und ununterbrochene Führung
(2) In der Verteidigung kann jeder, der seine Waffe überlegt einsetzt, die Geländebedingungen geschickt ausnutzt und seine Stellung zweckmäßig ausbaut, eine größere Anzahl von Soldaten des Gegners vernichten und dessen Panzer und gepanzerte Fahrzeuge erfolgreich bekämpfen.
(3) Der Zug (die Gruppe) darf nur auf Befehl des Kompaniechefs (Zugführers) den Stützpunkt (die Stellung) verlassen und sich zurückziehen.
(1) Beim Übergang des Zuges zur Verteidigung müssen vor allem die Beobachtung und das Feuersystem im Schussstreifen vor dem vorderen Rand der Verteidigung und an den Flanken des Stützpunktes organisiert werden.
(2) Das Feuersystem des Zuges in der Verteidigung umfasst:
a) die Abschnitte des zusammengefassten Feuers des Zuges vor dem vorderen Rand der Verteidigung,
b) die Zonen des Feuers der Panzerabwehrwaffen und Gefechtsfahrzeuge sowie die des dichten Feuers aller Waffen vor dem vorderen Rand der Verteidigung, in den Zwischenräumen in den Flanken und der Tiefe des Stützpunktes.
c) das Manöver mit dem Feuer in bedrohte Richtungen und Abschnitte
(3) Das Feuersystem ist unter Berücksichtigung der Feuermöglichkeiten der Waffen des Zuges und der zugeteilten Feuermittel, sowie der Sperren und natürlichen Hindernisse zu organisieren. Es muss die Bekämpfung des Gegners – besonders seiner Panzer und gepanzerten Fahrzeuge – auf den Zugängen zur Verteidigung, vor dem vorderen Rand, zwischen den Stützpunkten und in der Tiefe des Stützpunktes ermöglichen sowie das Führen von Frontal- Flanken- und Kreuzfeuer gewährleisten.
(4) Bei der Organisation des Feuersystems sind einzuweisen:
a) dem Zug: der Schussstreifen, der zusätzliche Schusssektor und ein bis zwei Abschnitte des zusammengefassten Feuers,
b) der Gruppe: der Schussstreifen und der zusätzliche Schusssektor;
c) dem Gefechtsfahrzeug, der Panzerwaffe und dem Maschinengewehr: die Haupt- und Wechselfeuerstellung, der Schusssektor und der zusätzliche Schusssektor für jeder Stellung;
d) dem Panzerbüchsenschützen: die Haupt- und Wechselfeuerstellung, die Feuerführung im Schussstreifen der gruppe;
e) dem MPi-Schützen: der Platz für das Schießen
Die Schussstreifen und die Schusssektoren sind so festzulegen, dass sie sich überschneiden.
(5) Die Bereitschaft des Feuersystems ist hergestellt, wenn die Gefechtsfahrzeuge, Geschütze und anderen Feuermittel die Feuerstellungen bezogen haben, die Anfangsangaben für das Schießen bestimmt wurden und die Munition vorhanden ist.
Auszüge DV und Anleitungen
Die Anleitung 325/1/003 Fallschirmspringen und Absetzen trat zum 01.02.1987 in Kraft.
Hier wird Punkt 2.1. Fallschirmsprünge aus dem Flugzeug AN-2 beschrieben.
Fallschirmsprünge aus Flugzeugen und Hubschraubern
2.1. Fallschirmsprünge aus dem Flugzeug AN-2
Aus dem Flugzeug AN-2 können Fallschirmsprünge mit Sofortöffnung und automatischer Öffnung des Sprungfallschirmes sowie Fallschirmsprünge mit manueller Fallschirmöffnung, d.h. mit stabilisiertem oder freiem Fall, durchgeführt werden.
Im Laderaum des Flugzeuges AN-2 befinden sich an den Bordseiten Klappsitze für 10 Fallschirmspringer. Zum Einhängen der Karabinerhaken der Aufzugsleinen der Fallschirme sind über den Sitzreihen zwei Seile gespannt. Zur Übermittlung von Signalen an die Fallschirmspringer befinden sich im Laderaum drei farbige Signallampen:
-gelb- für das Signal „Fertigmachen!“
-grün- für das Signal „Sprung!“
-rot- für das Signal „Halt!“
Das Signal „Sprung!“ wird gleichzeitig durch einen ununterbrochenen Hupton für die Dauer des Absetzens dubliert.
Das Anbordgehen der Fallschirmspringer erfolgt in umgekehrter Sprungreihenfolge, d.h. als erste betreten die Fallschirmspringer den Laderaum, die als letzte das Flugzeug verlassen. Dabei ist die Sprunggruppe gewichtsmäßig aufzustellen, so dass der leichteste Fallschirmspringer zuerst in das Flugzeug einsteigt und der schwerste zuletzt.
Beim Platznehmen im Laderaum sind erst die Sitze an der rechten Bordseite (Flugrichtung), von der Pilotenkabine beginnend, zu besetzen, danach die Sitze an der linken Bordseite (s. Anlage 3).
Nach dem Start des Flugzeuges und Erreichen der Flughöhe von 250m ist vom Sprunggruppenführer/Absetzer das Kommando: „Aufzugsleinen einhängen!“ zu geben. Auf dieses Kommando hat jeder Fallschirmspringer den Karabinerhaken aus dem Brustriegel auszuklinken und ihn in das Seil über seinem Sitz so einzuhängen, dass die Öffnung des Karabinerhakens in Richtung von der Tür weg zeigt. Beim Einklinken des Karabinerhakens ist darauf zu achten, dass
– der Sicherungsbügel durch die Feder in die oberste Stellung gedrückt wird,
– keine Körperdrehung beim Aufstehen erfolgt,
– beim Vordermann nach dem Einklinken des Karabinerhakens die Aufzugsleine sich noch in der Bandgummischlaufe befindet.
Auf das Signal/Kommando: „Fertigmachen!“ haben die Fallschirmspringer, von der Tür beginnend, aufzustehen, die Sitze herunterzuklappen, näher an die Tür heranzutreten und die Sprungausgangsstellung einzunehmen. Dabei ist darauf zu achten, daß
– der erste Fallschirmspringer nur bis zum Öffnungsradius der Tür herantritt und
– der zweite Fallschirmspringer den Sitz des ersten Fallschirmspringers herunterklappt und sich danach hinter den ersten Fallschirmspringer stellt und, wenn erforderlich, dessen Aufzugsleine kurzhängt.
Die anderen Fallschirmspringer handeln analog. Der Sitz des letzten Fallschirmspringers auf der linken bzw. rechten Bordseite wird nicht abgeklappt.
Zur Einnahme der Sprungausgangsstellung
– sind die Füße in Schrittstellung etwa eine Schulterbreite auseinander so zu setzen, daß sich der linke Fuß vorn und der rechte Fuß rechts dahinter (90° abgewinkelt) befindet; das Gewicht ist gleichmäßig auf beide Füße zu verteilen,
– muß die linke Hand den Rettungsfallschirm an den Körper drücken,
– hat die rechte Hand über den Griff des Aufzugsseiles an das freie Gurtende zu fassen,
– sind die Ellenbogen an den Körper anzulegen
Die an der rechten Bordseite stehenden Fallschirmspringer haben gleichfalls die Sprungstellung einzunehmen.
Vom Sprunggruppenführer/Absetzer ist die Tür zu öffnen. Er hat aufmerksam die Sprungvorbereitung der Fallschirmspringer zu beobachten, den ersten Fallschirmspringer herantreten zu lassen und die Türöffnung gegen ein vorzeitiges Abspringen des ersten Fallschirmspringers zu sperren.
Auf das Kommando: „Sprung!“ müssen die Fallschirmspringer nacheinander im festgelegten Abstand aus dem Flugzeug zu springen. Nach dem Absprung der Fallschirmspringer der linken Bordseite haben die Fallschirmspringer der rechten Bordseite zu springen. Nach dem Sprung des letzte Fallschirmspringers hat der Sprunggruppenführer zu springen.
Um einen normalen Öffnungsvorgang des Sprungfallschirmes zu gewährleisten, muß der Fallschirmspringer
a) stets die Arme in der Sprungausgangsstellung im Flugzeug halten, um nicht die eigene Aufzugsleine unter den Arm zu bekommen,
b) die Bewegung im Flugzeug grundsätzlich durch Vorschieben des linken und Nachziehen des rechten Fußes durchzuführen, darf keinen unzulässigen Abstand zum Vordermann haben, hat dessen Aufzugsleine zu beobachten und muss bei Notwendigkeit kurzhängen,
c) den linken Fuß in den Türrahmen links unten zu setzen, der rechte Fuß steht in Schulterbreite nach rechts hinten, und auf das Kommando: „Sprung!“ leicht gebeugt sich kräftig in Richtung Tragflächenspitze von der Türschwelle abdrücken,
d) nach dem Absprung sofort das linke Bein an das rechte heranziehen, beide Beine leicht anhocken, den Oberkörper aufrichten, den Kopf leicht anziehen und die Nackenmuskeln anspannen,
e) beim Fallschirmsprung mit Sofortöffnung bzw. mit automatischer Öffnung des Sprungfallschirmes sofort zu zählen anfangen, in dem er, bei der Zahl „hunderteinundzwanzig“ beginnend, im Sekundenrythmus die Zahlen
– bis „hundertdreiundzwanzig“ bei Sofortöffnung
– bis „hundertvierundzwanzig“ bei automatischer Öffnung 2s,
– bis „hundertfünfundzwanzig“ bei automatischer Öffnung 3s,
– bis „hundertsiebenundzwanzig“ bei automatischer Öffnung 5s,
ausspricht, muss danach mit der rechten Hand den Griff des Aufzugsseiles zum Öffnen des Doppelkegelschlosses kräftig nach rechts herausziehen und die Hand zum Rettungsfallschirm zurückführen,
f) Beim Fallschirmsprung mit stabilisiertem fall beim Absprung die Stoppuhr drücken, nach der Entfaltung des Stabilisators die Beine Anhocken, bis die Oberschenkel unter dem rettungsfallschirm anliegen, die Ellenbogen anwinkeln (die Unterarme im rechten Winkel zur Fallrichtung), die Handflächen als Ruder zur Verhinderung bzw. Korrektur von Körperdrehungen in der Luft einsetzen, die Dauer des Falles anhand der Stoppuhr kontrollieren, die Mitspringer beobachten und mit Erreichen der befohlenen Zeit die Stabilisierung zu lösen.
g) Bei Nichtöffnen des Sprungfallschirmes den Griff des Aufzugsseiles für das Öffnen des Doppelkegelschlosses wegwerfen und unverzüglich den Rettungsfallschirm öffnen,
h) Nach dem Öffnen des Sprungfallschirmes den Griff des Aufzugsseiles für das Öffnen des Doppelkegelschlosses in den Karabinerhaken an der Rückseite des Verpackungssackes des Rettungsfallschirmes einklinken.