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1960-1972

Die Entscheidung für die Aufstellung eigener Luftlande-Einheiten der Nationalen Volksarmee fällt gegen Ende der 50-er Jahre. Somit ergeht im Jahre 1959 der Befehl des Ministers für Nationale Verteidigung (MfNV), Armeegeneral Willi Stoph, ein Luftlandebataillon der Landstreitkräfte aufzustellen. Heinz Hoffmann, seit dem 14. Juli 1960 neuer Minister für Nationale Verteidigung, setzt sich weiter für die Aufstellung ein.

Oktober 1960
In Prora, auf der Ostsee-Insel Rügen (Gemeinde Binz), erfolgt die
Aufstellung des Mot.-Schützenbataillons 5 (MSB 5). Erster
Kommandant wird Oberstleutnant Ehrhard Bernhagen
(damals Major).

September 1961
Erste Fallschirmsprünge einer FJ-Kompanie über dem Flugplatz
Barth aus der zweimotorigen Iljuschin Il-14 mit sowjetischen
Fallschirmen PD-47, RS-1 und PD-41. Zu dieser Zeit besteht das
Bataillon aus zwei Fallschirmjägerkompanien (FJK) mit je 80
Mann (Gliederung in je drei Züge mit je drei Gruppen).
Bewaffnung und Uniform entsprechen denen der Mot.-Schützen.

13. Januar 1962
Befehl des Ministers für Nationale Verteidigung der DDR, Armeegeneral Heinz Hoffmann, über die Aufstellung einer Fallschirmjägereinheit der NVA. Ihre Aufgabe ist u.a. die Aufklärung von Führungsstellen, Verkehrs- und Nachrichtenknotenpunkten. Die Fallschirmjäger dienen als Soldat auf Zeit (SAZ) mindestens drei Jahre.

28. Februar 1962
Auf Beschluss des Nationalen Verteidigungsrates erfolgt anlässlich des 6. Jahrestages der Nationalen Volksarmee die Umbenennung des Mot.-Schützenbataillon 5 (MSB-5) in Fallschirmjägerbataillon 5 (FJB-5). Somit entsteht die Waffengattung Fallschirmjäger / Luftlandetruppen der Nationalen Volksarmee. Die Gesamtstärke des FJB-5 beträgt zu diesem Zeitpunkt 342 Soldaten, 80 Unteroffiziere sowie 43 Offiziere.

1962
Der „Kampfanzug für Aufklärer“ (s. Abb.), vom 1. August 1961 bis zum 31.Januar 1962 in der Erprobung, wird an die Aufklärer, an die Angehörigen des Fallschirmdienstes der Luftstreitkräfte sowie an die Fallschirmjäger ausgegeben. Der normale Kampfanzug und die einteilige Sprung- kombination entfällt somit. Der neue Kampfanzug besteht aus einer Jacke und Hose aus Dederonmischgewebe und ist in Vierfarbdruck, auch Flächendruck genannt, hergestellt.

13. September 1962
Oberstleutnant Ehrhard Bernhagen übergibt das Bataillon an seinen Nachfolger, Major Hubert Pardella.

2. März 1963
Übergabe der Truppenfahne an das Fallschirmjägerbataillon 5. Generalmajor Martin Bleck, Chef des Militärbezirks V, übergibt sie in Prora in die Hände von Major Pardella. Die Fahne bleibt auch die folgenden Jahre unverändert. Die Umbenennungen werden jedoch durch Fahnenbänder angezeigt.

9.–14. September 1963
Teilnahme der Fallschirmjäger an der Übung »Quartett« im Süden der DDR. Erstmals üben Truppen und Stäbe von vier soz. Armeen (SoA, Polnische Armee, Tschechoslowakische Volksarmee und NVA) gemeinsam in einem Manöver auf dem Territorium der DDR.

November 1963
Beratungen leitender Offiziere des B/A-Dienstes der NVA, der Verwaltung Ausbildung im MfNV und des Fallschirmjägerbataillons gelangen zu der Aufassung, dass auf Grund der speziellen Rolle der Fallschirmjäger besondere Ausrüstungsgegenstände sowie Uniformen nötig sind.

15. Februar 1964
Die Leitung des MfNV beschließt die Einführung einer speziellen Uniform für die Fallschirmjäger der NVA. Gemäß DV-98/4 wird die schrittweise Einführung der neuen Uniform vorgenommen. So werden für den Dienst Keilüberfallhosen und Sprungschuhe eingeführt. Anstatt des Schiffchens wird ein steingraues Barett als Kopfbedeckung getragen. Als Waffenfarbe wird orange bestimmt. Die Einkleidung mit den neuen Uniformenfindet im September ihren Abschluss.

1. Mai 1964
Erstmalige Teilnahme an der Mai-Parade in der Hauptstadt, jedoch noch in den Uniformen der Aufklärer, aber bereits mit steingrauem Barett.

29. Januar 1965
Sämtliche Fahrzeuge der NVA erhalten das Hoheitsabzeichen. Es sind die Farben Schwarz/Rot/Gold mit Staatswappen in runder Form, Durchmesser 200 Millimeter. Erstmalig war das Hoheitsabzeichen jedoch beim Manöver »Quartett« verwendet worden.

1. September 1966
Oberstleutnant Hubert Pardella übergibt das Kommando an Hauptmann Gleau.

22. Dezember 1966
Einführung des NVA-Fallschirmsprung-Abzeichens – Befehl 82/66 – durch den Minister für Nationale Verteidigung.

Oktober 1967
Erstmalige Verleihung des Fallschirmsprungabzeichens der NVA.

1968
Teilnahme an der Kommando Stabsübung »Frühling/Sommer 68«.

15. April 1968
Major Egon Gleau übergibt das Bataillonan an Oberstleutnant Schulz.

1969
Einführung des roten Baretts und der Uniform mit offenem Kragen (offene Fas-son). Inkraftsetzung der Dienstvorschrift DV 30/4 „Gefechtseinsatz von Einsatzgruppen“.

23. September 1969
Dem Fallschirmjägerbataillon wird der Traditionsname »Willi Sänger« verliehen.

1970
Teilnahme an den Übungen »Frühling 70« sowie »Waffenbrüderschaft« (12. bis 18.Oktober 1970). Das FJB-40 nimmt an einer kombinierten See-Luftlandung im Raum der Insel Usedom teil.

1. November 1971
Übernahme des Bataillons durch Major Kurt Elsner.

1. Dezember 1971
Umbenennung in Fallschirmbataillon 2 (FJB-2).

6. Januar 1972
In Begleitung sowjetischer und NVA-Generalität, darunter Armeegeneral Heinz Hoffmann, besucht der Staatsratsvorsitzendeund Parteichef Erich Honecker den Truppenteil „Willi Sänger“.

8. November 1972
Neben der Unterstellung unter das Kommando Landstreitkräfte erfolgt die Umbenennung in Fallschirmjägerbataillon 40 (FJB-40).

1. Dezember 1972
Bildung des Kommandos der Landstreitkräfte in Potsdam-Geltow. Befehlshaber und gleichzeitig Stellvertreter des Ministers für Nationale Verteidigung wird Generalleutnant Horst Stechbarth. Das FJB-40 wird dem neu geschaffenen Kommando der LaSK unterstellt.

1973-1986

1973
Erste Veröffentlichung im westlichen Ausland über das FJB-40 in „Informationen für die Truppe“ sowie „Infantry Magazin“.

26. – 31. März 1973
Teilnahme an der Kommandostabsübung »SEWER 73« , welche gemeinsam mit den Truppen der GSSD auf dem Territorium der DDR stattfindet.

1. September 1973
Kommandeurswechsel: Oberstleutnant Elsner übergibt das Bataillons an Major Friedhelm Reddig.

19. September 1973
Der Befehl 148/73 modifiziert die Bedingungen für den Erwerb des Fallschirmsprungabzeichens. So sind für den Erwerb der Grundstufe – ohne Anhänger – nur noch fünf statt zehn Sprünge erforderlich.

20. Februar 1976
Generalleutnant Horst Stechbarth wird zum Generaloberst befördert.

7. Oktober 1978
Gründung des „Willi-Sänger-Clubs“ in Berlin durch Reservisten des Fallschirmjägerbataillons bei einem Treffen zum Anlass der Ehrenparade zur Staatsgründung der DDR.

31. Dezember 1978
Schneekatastrophe zum Jahreswechsel im Norden der DDR. Durch starke Schneefälle kommt es zu Stromausfall, der Straßen- sowie auch der Schienenverkehr werden lahm gelegt. Auf der Insel Rügen setzt schon am folgenden Tag ein fast dreiwöchiger Hilfseinsatz ein, der die Versorgung von Teilen der Bevölkerung durch das Fallschirmjägerbataillon 40 sicherstellt.

1979
Übergabe des Bataillons an Major Langer.

8. Juli 1980
Sprung der 1. FJK im Verlauf der Truppenübung »Zyklon 80« , die im Raum Wismar , Ludwigslust , Kyritz durchgeführt wird. Die Fallschirmjäger werden als Diversionseinheiten gegen die gegnerischen Truppen eingesetzt.

4. – 12. September 1980
Teilnahme am Manöver »Waffenbrüderschaft 80« , dass in verschiedenen Bezirken der DDR stattfindet. An der abschließenden Parade in Magdeburg beteiligen sich auch die Fallschirmjäger.

1981
Beginn des Umzuges nach Lehnin (bei Potsdam, Bezirk Brandenburg).

1981
Bildung der 4. Fallschirmjägerkompanie (FJK) als Wachkompanie für das Ministerium in Strausberg, den Minister für Nationale Verteidigung, seine Stellvertreter und deren Familien. Dies erfordert einen Personalzuwachs von etwa 200 Mann.

25. März 1981
Übung »Nordwind 81«. Absprung im Norden der DDR (Rostock, Wismar).

2. August 1981
Übergabe des FJ-Bataillons an Oberstleutnant Flache.

15.03.1982
Verlegung nach Lehnin – Truppenlager.

1983
Sämtliche Fallschirmjägerkompanien werden in die Wachstellung Strausberg einbezogen.

16. – 19. März 1983
Eine Militärdelegation aus der VR Jemen besucht die DDR. Neben anderen militärischen Einrichtungen besuchen die Militärs auch den Truppenteil „Willi Sänger“.

15. August 1983
Übergabe des Bataillons an Major Klaus-Dieter Krug.

1983
Der Minister für Nationale Verteidigung, Armeegeneral Heinz Hoffmann, besucht mit einer Delegation das Fallschirmjägerbataillon in Lehnin.

9. Oktober 1983
Endlich können die Angehörigen des FJ-Bataillon 40 in die neu erstandenen Kaserneneinrichtungen in Lehnin einziehen.

12. April 1984
Oberfähnrich Günther Schmidt absolviert seinen 1000. Fallschirmsprung.

1984
Die neue Dienstvorschrift 325/0/003, „Der Einsatz von Einsatzgruppen und Fallschirmjägereinheiten“, wird in Kraft gesetzt.

26. – 31. März 1984
Teilnahme an der Übung »JUG 84« im Süden der DDR. Leitung: Generaloberst Horst Stechbarth, Stellvertreter des MfNV der DDR und Chef der LaSK. Hervorhebung u.a. des Truppenteils »Willi Sänger«. Feldwebel Kühn, der bei der Luftlandung in einen Tümpel gezogen wird und Wasser in die Lunge bekommt, stirbt mehrere Tage darauf an den Folgen. Seine letzte Ruhestätte findet Feldwebel Kühn auf dem Friedhof Berlin-Friedrichsfelde.

21. Juni 1984
Eine Regierungsdelegation, darunter auch Erich Honecker, besucht das Fallschirmjägerbataillon 40.

1884
Erste Überlegungen zur Übernahme der sowjetischen Luftsturmkonzeption für die Luftlandetruppe der NVA.

1985
Letzter Besuch von Armeegeneral Heinz Hoffmann im Bataillon.

2. Dezember 1985
Mit 75 Jahren stirbt DDR-Verteidigungsminister, Armeegeneral Heinz Hoffmann. Er war seit dem 14. Juli 1960 Minister für Nationale Verteidigung. Sein Nachfolger wird Armeegeneral Heinz Keßler.

21. – 28. August 1986
Teilnahme des FJB-40 als Luftsturmverband an der Übung »DRUSBA 86«. Ein Höhepunkt ist das Absetzen von gleichzeitig 184 Fallschirmspringern aus Mi-8TB und Antonow An-26 im Raum des TÜP Lieberose (90 Km südöstl. von Berlin) und an der Elbe bei KEHNERT (25 Km nordöstl. von Magdeburg).

1. Dezember 1986
Umbenennung in Luftsturmregiment 40 (LStR 40) und Übergang zu neuer Struktur.

1987-1991

1987
Inkrafttreten neuer „Dienstvorschriften für den Gefechtseinsatz von Luftsturmeinheiten“ (DV 325/0/007 Bataillon; Kompanie und DV 325/0/008 Zug; Gruppe). Teilnahme an der Truppenübung »JUG87« (»SÜD 87«). Im Herbst des Jahres Auszeichnung mit dem Titel „Bester Truppenteil“.

15. August 1988
Übernahme des Luftsturmregiments 40 durch Major Frank Lippert.

19. Oktober 1988
Auszeichnung des FJB mit dem Titel „Bester Truppenteil“.

15. September 1989
Übernahme des Luftsturmregiments 40 durch Major Norbert Seiffert.

14. – 17. Oktober 1989
Neben anderen NVA-Einheiten werden drei Hundertschaften des LStR 40 nach Leipzig verlegt. Ein Einsatz erfolgt jedoch nicht. Dennoch entsteht eine schwere innere Krise im Truppenteil.

18. Oktober 1989
9. ZK-Tagung. Erich Honecker verliert nach 18 Jahren sein Amt und wird von allen Funktionen entbunden. Egon Krenz, seit 1984 Honeckers Stellvertreter, wird Parteichef und kündigt eine Wende an. Auch die Politbüromitglieder Joachim Herrmann und Günter Mittag werden abgelöst.

24. Oktober 1989
Auf der 10. Tagung der Volkskammer wird Egon Krenz zum Staatsratsvorsitzenden und zum Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsrates gewählt.

7. November 1989
Die Regierung, unter dem Vorsitzenden des Ministerrates Willi Stoph, tritt zurück.

8. November 1989
Rücktritt des Politbüros.

9. November 1989
Admiral Theodor Hoffmann wird neuer Minister für Nationale Verteidigung. Armeegeneral Heinz Keßler hatte sich zuvor in den Ruhestand versetzen lassen.

6. Dezember 1989
Egon Krenz (52) tritt als Staatsratsvorsitzender zurück. Ferner gibt er auch den Vorsitz im Nationalen Verteidigungsrat ab, was gleichzeitig auch den Oberbefehl über die Streitkräfte beinhaltet. Der Nationale Verteidigungsrat wird aufgelöst.

31. Januar 1990
Besuch von zwei Angehörigen des LStR 40 beim Fallschirmbataillon 273 der Bundeswehr in Iserlohn. Im Zuge dieses Besuches wird ein Patenschaftsangebot unterbreitet.

18. April 1990
Pfarrer Rainer Eppelmann übernimmt mit diesem Tag das Amt als „Minister für Abrüstung und Verteidigung“ der DDR.

2. Mai 1990
Kommandeurstagung der NVA. Minister Eppelmann erklärt: „Was die NVA betrifft, so wird sie nach meiner Auffassung solange weiter bestehen wie in Europa zwei Militärbündnisse, die NATO und der Warschauer Pakt, existieren.“

Juni 1990
Besuch einer Delegation an der Luftlande- und Lufttransportschule der Bundeswehr in Altenstadt.

Juli 1990
Teilnahme einer Delegation von NVA-Fallschirmjägern in Uniform an den internationalen Vier-Tage-Märschen in Nijmwegen (Holland).

20. Juli 1990
20. Juli 1944 = Attentat auf Hitler
50.000 Soldaten der NVA legen einen neuen Fahneneid ab. Hieß es sonst, „an der Seite der Sowjetarmee den Sozialismus gegen alle Feinde zu verteidigen“, umfasst die neue Formel lediglich nur zwei Sätze: „Ich schwöre, getreu dem Recht und den Gesetzen der Deutschen Demokratischen Republik meine militärischen Pflichten stets diszipliniert und ehrenhaft zu erfüllen. Ich schwöre, meine ganze Kraft zur Erhaltung des Friedens und zum Schutz der Deutschen Demokratischen Republik einzusetzen.“ Parallel hierzu ergeht der Befehl, die DDR-Kokarden von den Kopfbedeckungen zu entfernen. Sie werden durch schwarz-rot-goldene Kokarden ersetzt.

2. August 1990
Neben der Absicht, die NVA von ursprünglich 170.000 auf 98.000 Mann zu reduzieren, rückt Eppelmann jetzt erstmals von seiner Auffassung ab, die NVA über die Einheit hinaus als eigenständige Armee fortbestehen zu lassen.

20. August 1990
Eine Verbindungsgruppe der Bundeswehr nimmt im Ministerium für Abrüstung und Verteidigung in Strausberg ihre Arbeit auf.

31. August 1990
Unterzeichnung des „Vertrages über die Herstellung der staatlichen Einheit“ (Einigungsvertrag) im Ost-Berliner Palais »Unter den Linden« durch die Delegationsleiter W. Schäuble und G. Krause. Dies führt sogleich zur Beendigung der militärischen Aus- und Weiterbildung von Angehörigen der NVA an sowjetischen, polnischen, tschechoslowakischen und anderen Lehreinrichtungen.

1. September 1990
Beginn des letzten Wehrdienstes für den letzten Freiwilligen-Lehrgang.

12. September 1990
Letzter Fallschirmsprungdienst des Truppenteils. Im Anschluss wird letztmalig das FJ-Sprungabzeichen an Armeeangehörige verliehen.

15. September 1990
Es wurde Generalmajor Engelhardt als letzter Chef der NVA berufen und führte damit als Nachfolger von Admiral Theodor Hoffmann und somit höchster kommandierender Militär die NVA in die deutsche Einheit.

23. September 1990
Durchführung von Fallschirmsprungdiensten mit Gästen aus 12 westlichen Ländern auf dem Flugplatz Burg. An ca. 150 Teilnehmer wird das NVA-Fallschirmsprungabzeichen verliehen.

24. September 1990
Unterzeichnung des Protokolls über die Herauslösung der NVA aus dem Militärbündnis des Warschauer Vertrages.

28. September 1990
Sämtliche noch verbliebenen Generale und Admirale der NVA erhalten ihre Entlassung aus dem aktiven Dienst. Sie werden i.d.R. durch Bundeswehr-Offiziere ersetzt. Auch für die weiblichen Armeeangehörigen ist der Armeedienst – mit Ausnahme des med. Dienstes – beendet.

2. Oktober 1990
Appell zur Vereinigung beider deutscher Staaten. Es folgt die Entbindung vom Schwur sowie das Einziehen der Flagge. Ausbilder der Bundeswehr übernehmen die Durchführung der letzten Grundausbildung im Regiment.

3. Oktober 1990
Einrichtung des Bundeswehr-Kommandos Ost (BwKdo Ost) in Strausberg zur Abwicklung der Nationalen Volksarmee. Ihr Befehlshaber ist Bundeswehr-Generalleutnant Jörg Schönbohm.

30. März bis 30. Juni 1991
In diesem Zeitraum wird die personelle und materielle Auflösung des Truppenteils sowie der Dienststelle Luftsturmregiment-40 vollzogen.

Die Kommandeure

03.12.1959 bis 12.09.1962
Major
Erhardt Bernhagen
*28.07.1925 – † 02.05.1984

13.09.1962 bis 30.11.1966
Hauptmann
Hubert Pardella

01.12.1966 bis 14.04.1968
Hauptmann
Egon Gleau

15.04.1968 bis 31.10.1970
Oberstleutnant
Werner Schulz

01.11.1970 bis 31.08.1973
Major
Kurt Elsner
* 28.11.1936 – † 19.07.1987

01.09.1973 bis 31.08.1979
Oberstleutnant
Friedhelm Reddig

01.09.1979 bis 31.07.1981
Major
Michael Langer

01.08.1981 bis 31.07.1983
Oberstleutnant
Jürgen Flache

01.08.1983 bis 31.08.1988
Oberstleutnant
Klaus-Dieter Krug

01.09.1988 bis 31.08.1989
Major
Frank Lippert

01.09.1989 bis 02.10.1990
Major
Norbert Seiffert

18.12.1990 bis 31.03.1991
Oberstleutnant
Harald Altmann

Willi Sänger

Willi Sänger, geboren am 21. Mai 1894 in Berlin, von Beruf kaufmännischer Angestellter, hatte sich vor dem ersten Weltkrieg der Arbeiterbewegung angeschlossen. 1919 wurde er Mitglied der KPD. Er gründete die Sparte Leichtathletik des Arbeitersportvereins „Fichte“, übernahm später den Vorsitz der Fichte-Sportgemeinschaft Berlin-Südost und gehörte in den letzten Jahren der Weimarer Republik der Leitung der „Kampfgemeinschaft für rote Sporteinheit“ an. Nachdem die Arbeiterorganisationen in die Illegalität gedrängt wurden, beteiligte er sich an der Organisierung des Widerstandes der Sportler. Während des zweiten Weltkrieges leistete Willi Sänger als Funktionär der KPD eine umfangreicheillegale Arbeit. Im Auftrag der Leitung trug er politische Stimmungsberichte aus verschiedenen Bevölkerungsschichten zusammen. Aus der Staatsdruckerei besorgte er das „Deutsche Fahndungsbuch“. Dadurch konnte mancher Antifaschist vor Verhaftung und Tod bewahrt werden. Er arbeitete als Kurier und stellte die Verbindung zu dem Kommunisten Willi Bänsch her, der im„Arbeitserziehungslager“ Berlin-Wuhlheide Gefangener der Faschisten war. Über ihn erfuhren die Häftlinge von der Gründung des Nationalkomitees Freies Deutschland und lernten das Programm für den Sturz Hitlers und für ein freies demokratisches Deutschland kennen. Im Juli 1944 wurde Willi Sänger ein Opfer der Gestapo. Die Blutrichter verurteilten den mutigen Antifaschisten, und am 27. November 1944 starb Willi Sänger im Zuchthaus Brandenburg auf dem Schafott. Der Name dieses antifaschistischen Widerstandskämpfers wurde dem NVA-Fallschirmjägertruppenteil am 23. September 1969 verliehen.”

Quelle: »Fallschirmjäger im Einsatz«, Lesematerial für die Teilnehmer an der vormilitärischen Laufbahnausbildung Fallschirmjäger, ZV der GST, Ausgabe 1987, Seite 34

Der letzte Brief:

„Montag, den 27. November 1944
Soeben, es kann 11 Uhr gewesen sein, wurde ich aus der Zelle geholt und mit 11 weiteren Häftlingen nach einem anderen Haus der Anstalt gebracht. Wieder Einzelzelle und dann die Eröffnung, das Reichsjustizministerium hat das Gnadengesuch abgelehnt, das Urteil wird heute um 12.30 Uhr vollstreckt. Nun ist es notwendig, endgültig Abschied zu nehmen. Der letzte Hoffnungsseidenfaden ist gerissen. Nur 50 1/2 Jahre – und kurze Zeit nachdem meine Mutter ins Grab ging, muss ich nun auf diese Artebenfalls Abschied nehmen von dieser Welt. Ich hatte keine große Hoffnung und habe mich in diesen letzten Wochen auf diese Schlachterei vorbereitet. Ich kann nicht besser schreiben wegen der Handfesseln, die ich während der ganzen Zeit Tag und Nacht nicht los wurde und auch jetzt nicht. Grüße bitte alle Bekannten und die Hausbewohner. Ich bin ruhig, gefasst und weiß, dass Ihr auch fest und stark bleiben werdet. Haltet die Erinnerungen an mich und das, was ich erstrebte, hoch. Es ist nicht so einfach, die letzten Minuten mit dem Gedanken an das Fallbeil zu verbringen. Draußen scheint die Sonne. – Heute morgen sah ich Ali Neumann das letzte Mal durch den Spion, als er in die Tischlerei zur Arbeit ging. Bewahrt mir ein recht gutes Andenken. Es muss doch anders werden, die Opfer sollen nicht vergeblich gewesen sein. Willi“

Quelle: »Erkämpft das Menschenrecht«, Lebensbilder und letzte Briefe antifaschistischer Widerstandskämpfer, Dietz-Verlag, Berlin, 1958, Seite 452

Willi Sängers antifaschistischem Widerstand wird in der Gedenkstätte der Sozialisten auf dem Zentralfriedhof in Berlin-Friedrichsfelde gedacht (Rechte Innenseite der Ringmauer). An seinem ehemaligen Wohnhaus in der Oppelner Straße 45 in Berlin erinnert eine in den Gehweg eingelassene Gedenktafel an ihn.

In der Nationalen Volksarmee der DDR gehörte der Name „Willi Sänger“ zu den sogenannten Ehrennamen. Das Luftsturmregiment 40 der NVA war nach ihm benannt. Darüber hinaus tragen in Ostdeutschland mehrere Straßen, Schulen, Sportgruppen usw. seinen Namen.

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