ie EU hat im September deutlich mehr russisches Flüssigerdgas gekauft. Zugleich rückte sie unter den wichtigsten Abnehmern fossiler Brennstoffe aus Russland auf Platz drei vor. Vor allem Frankreich nahm mehr LNG ab.
Dabei will die Europäische Union sich doch komplett von russischem Gas lösen. Im September sind ihre Einfuhren von russischem Flüssigerdgas jedoch kräftig gestiegen: Gegenüber August legten die Importmengen um 60 Prozent zu. Das geht aus dem neuen Monatsbericht des Forschungszentrums Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA) hervor, der am Freitag veröffentlicht wurde.
Zugleich verdrängte die EU die Türkei als drittgrößten Käufer russischer fossiler Brennstoffe. Insgesamt bezog sie im September Öl und Gas im Wert von rund 1,7 Milliarden Euro aus Russland. Nur China und Indien kauften mehr.
Warum die LNG-Einfuhren aus Russland im August stark zurückgingen
Im August waren die LNG-Einfuhren der EU aus Russland allerdings auf den niedrigsten Monatsstand seit Beginn der russischen Invasion der Ukrainegefallen. Als Hintergrund nennt der Energieanalyst Balance Point Research geplante Wartungsarbeiten an der russischen Anlage Yamal LNG und eine saisonal stärkere Ausrichtung der Lieferungen auf China.
Trotz der anschließenden Erholung war die im September importierte Menge noch die viertniedrigste in diesem Zeitraum. Die 60 Prozent stehen deshalb für einen deutlichen Anstieg gegenüber einem außergewöhnlich schwachen Vormonat – nur wenige Monate vor dem Ausstieg aus dem russischen LNG, der schon ab Januar greift
Für russisches Pipelinegas aus langfristigen Lieferverträgen greift das Verbot grundsätzlich ab dem 30. September 2027. Bei Problemen mit der Erfüllung der Gasspeicherziele kann sich der Termin auf den 1. November 2027 verschieben. Russische LNG-Einfuhren unter kurzfristigen Altverträgen sind bereits seit dem 25. April 2026 verboten; für langfristige Altverträge endet die Übergangsfrist am 1. Januar 2027.
Russisches LNG: Frankreich verdoppelt seine Importmenge
In Frankreich stieg die Menge des eingeführten russischen Flüssigerdgases gegenüber August sogar um 103 Prozent. Acht Ladungen wurden nach Angaben von CREA entladen. Sie stammten sämtlich aus der russischen Anlage Yamal LNG von Novatek.
Der Wert der französischen LNG-Einfuhren aus Russland belief sich demnach auf 446 Millionen Euro. Damit war Frankreich im September hinter Ungarn der zweitgrößte Käufer russischer fossiler Brennstoffe innerhalb der EU – obwohl es laut Auswertung ausschließlich Flüssigerdgas bezog.
Fast drei Viertel der russischen LNG-Menge für die EU, insgesamt 72 Prozent, wurden an französischen Häfen entladen. Die übrigen Lieferungen gingen in die Niederlande und nach Portugal. Die Ankunft an einem französischen Terminal bedeutet allerdings nicht, dass das gesamte Gas auch in Frankreich verbraucht wurde. Über das europäische Gasnetz kann es in andere Länder weiterfließen.
In den Niederlanden kamen zwei russische LNG-Ladungen am Gate-Terminal in Rotterdam an. Ihr Wert lag laut CREA bei 116 Millionen Euro. Spanien dagegen erhielt im September erstmals seit Beginn der großangelegten Invasion keine russische LNG-Lieferung.
Russlands LNG-Erlöse steigen auf den höchsten Stand seit Januar 2023
Für Russland bleibt der europäische Markt damit vorerst eine wichtige Einnahmequelle. Allein die LNG-Einfuhren der EU hatten im September nach den Berechnungen des Forschungszentrums einen Wert von 615 Millionen Euro.
Weltweit fiel der Anstieg der russischen LNG-Erlöse noch stärker aus als das Mengenwachstum. Nach der CREA-Auswertung stiegen die Einnahmen aus den an ihren Zielhäfen entladenen Lieferungen gegenüber August um 68 Prozent auf durchschnittlich 75 Millionen Euro täglich. Das war der höchste Stand seit Januar 2023.
Die zugehörigen Liefermengen nahmen um 48 Prozent zu. Auch bei den in Russland verladenen Mengen registrierte CREA einen deutlichen Zuwachs: Die Verladungen in Yamal stiegen gegenüber August um die Hälfte, die des sanktionierten Projekts Arctic LNG 2 haben sich mehr als verdoppelt. Dass die Erlöse stärker stiegen, lässt sich vor allem auf die steigenden Gaspreise an der Börse zurückzuführen, aber auch auf die unterschiedlichen Vertrags- und Lieferbedingungen.
EU überholt Türkei beim Kauf russischer fossiler Brennstoffe
Für die neue Position der EU in der Käuferliste zählt neben LNG auch das weiterhin über die Schwarzmeerpipeline TurkStream eingeführte Pipelinegas. Es machte im September mit 817 Millionen Euro rund 47 Prozent ihrer fossilen Energieimporte aus Russland aus. Auf Flüssigerdgas entfielen 36 Prozent.
Die übrigen 17 Prozent waren Rohöl im Wert von 290 Millionen Euro. Dieses gelangte laut CREA vollständig über die Druschba-Pipeline in die Slowakei und nach Ungarn. Ungarn war mit insgesamt 475 Millionen Euro der größte EU-Abnehmer russischer fossiler Brennstoffe.
Die Türkei bezog dagegen russische Energieträger im Wert von rund einer Milliarde Euro. Ihre Einfuhren von russischem Rohöl auf dem Seeweg sanken gegenüber August um 59 Prozent. Die Verschiebung in der Rangliste lässt sich somit nicht allein mit Europas gestiegenen LNG-Einfuhren erklären.
Über alle Absatzmärkte hinweg blieben Russlands Einnahmen aus fossilen Brennstoffen im September nahezu unverändert bei 625 Millionen Euro täglich – obwohl die Exportmengen um sechs Prozent zurückgingen. Die Erlöse aus Rohöl sanken, während LNG deutlich mehr Geld einbrachte. Für Moskau bleibt das Flüssigerdgasgeschäft damit ein wichtiger Gegenpol zu schwächeren Ölausfuhren.