Der Direktor der CIA hat am Dienstag laut Medienberichten Moskau besucht. Eine Art Geheimbesuch, über den bis jetzt nichts Inhaltliches bekannt ist. Interessant ist: Die Art und Weise, wie deutsche Medien berichten, zeigt, wie die Machtverhältnisse sind. Sie berichten: zurückhaltend, interessiert, spekulierend. Was wäre los, wenn bekannt geworden wäre, dass der Chef des deutschen Auslandsgeheimdienstes BND in geheimer Mission nach Russland geflogen wäre? Wie würden deutsche Medien berichten, wenn gar ein hochrangiger Regierungsvertreter oder gar der Bundeskanzler selbst das Gespräch mit Putin suchen würde? Im Blätterwald wäre der Teufel los.
Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe, oder, anders gesagt: Was dem Jupiter erlaubt ist, ist noch lange nicht dem Ochsen gestattet. Die Sprichwörter bewahrheiten sich gerade einmal wieder. Sowohl innerhalb weiter Teile der deutschen Politik als auch der deutschen Medien gilt: Mit russischen Regierungsvertretern zu reden, ist ein Tabu.
Was war da in der Presse los, als bekannt wurde, dass AfD-Vertreter 2025 und 2026 nach Russland gereist sind! Medien spuckten Gift und Galle.
Nun mag es einen Unterschied zwischen den Besuchen der AfD-Politiker und des CIA-Direktors im Hinblick auf die Ziele und die Ausrichtung der Reise geben. Allerdings: Die Giftpfeile deutscher Medien im Kalte-Krieger-Modus würden jeden treffen, der zu einer Gesprächsreise nach Moskau fliegt – Ausnahmen gelten für Vertreter des Imperiums.
Etwas ganz Anderes ist es offensichtlich nämlich, wenn der Direktor der CIA, unangekündigt, ganz diskret, nach Russland fliegt. Kein Zeter-und-Mordio-Geschrei. Stattdessen: ruhige, fast ehrfürchtige Berichterstattung.
Einmal mehr wird deutlich, wie die Machtverhältnisse abgesteckt sind. Die Macht liegt in Washington, nicht in Berlin. Selbst gewohnt regierungshörige deutsche Medien schössen – davon ist auszugehen – bei einer politischen Geheimreise des BND-Chefs oder eines hochrangigen deutschen Regierungsvertreters quer. Erst recht dann, wenn etwas von einer „Friedensmission“ oder von „Friedensverhandlungen“ bekannt würde.
Warum CIA-Direktor John Ratcliff nun nach Moskau gereist ist, sei dahingestellt. Früher oder später dürfte etwas über den Inhalt der Gespräche an die Presse gegeben werden. Mutmaßlich, so wollen westliche Insider wissen, wollen die USA Putin davon abhalten, Militäroperationen gegen europäische Unterstützer der Ukraine durchzuführen. Es gibt auch Vermutungen, dass der CIA-Chef versuchen wird, Moskau zu überzeugen, die Kampfhandlungen im Jahr 2026 zu beenden, sowie ein globales Moratorium für Angriffe auf die Energie- und Hafeninfrastruktur Russlands und der Ukraine umzusetzen. Auch könnte eine Waffenruhe in den Gebieten um Charkiw und Sumy angestrebt werden. Man könnte versuchen, Perspektiven auszuleuchten, um die Bedingungen für einen umfassenden Friedensprozess zu vereinbaren. Das alles wird auch beeinflusst von Gerüchten über eine mögliche allgemeine Mobilmachung in Russland.
Gerade die Reise des CIA-Direktors böte einer kritischen Presse genügend echten Anlass zur Kritik.
Mittlerweile sollte deutschen Journalisten bekannt sein, dass es dort, wo die CIA agiert, nach Tiefenpolitik stinkt. Der Besuch des CIA-Direktors müsste einer kritischen Medienlandschaft Anlass bieten, das frühe Agieren des Auslandsgeheimdienstes in der Ukraine der deutschen Öffentlichkeit aufzuzeigen. Und die Stippvisite sollte auch Anlass für Redaktionen sein, den Ukraine-Krieg in seiner Ausprägung als Stellvertreterkrieg zu durchleuchten.
Stattdessen, wie zu erwarten: eine Brett-vorm-Kopf-Berichterstattung.
Die Reise zeigt aber noch etwas Anderes: Während die US-Politik sich nicht nur herausgenommen hat, offen das Aus für Nord Stream anzusagen – und der Kanzler der Bundesrepublik stand dabei schweigend wie ein Schuljunge daneben –, nimmt sie sich auch heraus, nach Belieben nach Russland zu reisen und Gespräche zu führen, worüber auch immer.
Mit anderen Worten: im Westen nichts Neues!
Man erinnere sich an die Reisen David Rockefellers nach Russland im tiefsten Kalten Krieg. Da war von einer Scheu vor „Feindberührung“ keine Rede. Prinzip: Das Geschäft geht vor!
Wer in Sachen Ukraine-Krieg den Ton angibt und wer nicht, zeigt sich offen. Deutschland ist es nicht.